Bundesliga

Schäfer stellt klar: "Ich entscheide"

Trainerwechsel in Leipzig

Schäfer stellt klar: "Ich entscheide"

Als Krisenmanager in Leipzig gefragt und gefordert: Sport-Geschäftsführer Marcel Schäfer.

Als Krisenmanager in Leipzig gefragt und gefordert: Sport-Geschäftsführer Marcel Schäfer. IMAGO/Picture Point LE

Am Montagnachmittag bat Zsolt Löw die Spieler von RB Leipzig zu ersten gemeinsamen Trainingseinheit, einige wie Kapitän Willi Orban, Torhüter Peter Gulacsi, Urgestein Yussuf Poulsen oder Routinier Kevin Kampl waren dem Interimscoach aus seinem ersten RB-Gastspiel zwischen 2015 und 2018  bestens bekannt. Damals assistierte der 45-jährige Ungar erst Ralf Rangnick und anschließend Ralph Hasenhüttl, war Bindeglied zwischen Team und Cheftrainer. Jetzt schlüpft er zumindest bis Saisonende in die Rolle des Verantwortlichen, der eine verkorkste Saison noch mit einem furiosen Endspurt retten soll.

"Er ist sehr herzlich empfangen worden, kennt die Gesichter. Das macht es für den Einstieg und gerade für die ersten Tage leichter", sagte Sport-Geschäftsführer Marcel Schäfer auf einer außerordentlichen Pressekonferenz des Klubs, die er in erster Linie dazu nutzte, um die Beweggründe der am Vortag erfolgten Trennung von Marco Rose zu erläutern. "Wir haben ihn fachlich und menschlich außerordentlich geschätzt und wollten gemeinsam durch die schwierige Phase hindurch. Aber nach dem Gladbach-Spiel ist uns bewusst geworden, dass wir Maßnahmen ergreifen müssen", sagte Schäfer und fügte hinzu: "Weder die Ergebnisse noch die Art und Weise, wie wir gespielt haben, hat zu dem gepasst, was wir uns vorstellen und was unsere Ambitionen sind."

"Eine Niederlage für uns alle"

Dieser Eindruck begleitet die Verantwortlichen bei RB und im Fußball-Imperium von Red Bull schon seit mehreren Monaten, doch erst nach dem blutleeren 0:1-Auftritt bei Borussia Mönchengladbach war für die Bosse der Zeitpunkt zum Handeln gekommen. "Wir hatten immer die Überzeugung, dass wir gemeinsam die Trendwende einleiten können, nicht nur was die Ergebnisse betrifft, sondern auch die Art und Weise, wie wir auftreten, wie unsere Haltung und Widerstandsfähigkeit auf dem Platz ist. Aber weil sich nichts geändert hat, mussten wir jetzt diese Veränderungen vornehmen", begründete Schäfer das lange Festhalten am Cheftrainer und das Loslassen nur drei Tage vor dem DFB-Pokal-Halbfinale beim VfB Stuttgart. Dies sei "eine Niederlage für uns alle", so Schäfer.

Eingebunden in die Gespräche am späten Samstagabend und frühen Sonntagmorgen waren auch die Bosse im Mutterkonzern, allen voran Geschäftsführer Oliver Mintzlaff, der neue Fußball-Chef Jürgen Klopp und der Technische Direktor Mario Gomez. "Wir haben viele Experten aus dem Fußball-Business. Es ist selbstverständlich, dass wir hier in Leipzig und auch ich als Geschäftsführer Sport auf deren Erfahrung zurückgreifen", sagte Schäfer, der im gleichen Atemzug allerdings klarstellte, dass das letzte Wort er hatte: "Die Entscheidung liegt in Leipzig, und die treffe ich." Das gelte natürlich auch für künftige Personal-Entscheidungen.

Klopp und Schäfer hatten sich nach kicker-Informationen in der Vergangenheit stets stark gemacht für Rose, Mintzlaff und Gomez meldeten indes schon früher Zweifel an. "Dass es unterschiedliche Meinungen und Auffassungen gibt, ist normal", sagte Schäfer. Er sei "Überzeugungstäter" und habe bis zum Samstag die Überzeugung gehabt, die Saison in der bestehenden Konstellation retten zu können: "Sobald die Überzeugung nicht mehr da war, dann habe ich gehandelt, im Sinne des Klubs."

"Er ist genau der richtige Mann"

Der langjährige Co-Trainer Löw, den Klopp zu Jahresbeginn als "Head of Soccer Development" in sein Team geholt hatte, habe nicht lange gebeten werden müssen, als Feuerwehrmann am wichtigsten Fußball-Standort des Konzerns einzuspringen: "Er war überzeugt davon, dass wir das gemeinsam hinbekommen." Vertraglich ist er bis Saisonende an RB gebunden, dann soll er wieder ins "Global Team" zu Red Bull zurückkehren. "Wir haben versucht, einen neuen Impuls zu setzen mit einer neuen Ansprache. Zsolt wird den Fußball nicht neu erfinden. Es geht einfach darum, die Stärken wieder in den Vordergrund zu stellen, einen neuen Wind und neue Energie rein zu bringen", sagte Schäfer und drückte seine Zuversicht so aus: "Wir sind total überzeugt, dass er genau der richtige Mann."

Neuer Coach und Kaderumbau im Sommer

Nach der Saison soll dann eine neue Lösung gefunden werden, so der aus Wolfsburg geholte und am 1. August angetretene Sport-Geschäftsführer. "Wir haben einen klaren Plan, was das Profil betrifft, und eine klare Idee, wie wir Fußball spielen lassen wollen. Dementsprechend werden wir Gespräche führen und im Sommer eine überzeugende Lösung präsentieren", sagte er und kündigte zugleich als Konsequenz auf diese unbefriedigende Saison einen größeren Umbau im Kader an: "Wir müssen die Kaderplanung vorantreiben, da haben wir ein bisschen zu tun, da müssen wir einige Dinge verändern."

oha