Fabian Wohlgemuth wurde deutlich nach der Niederlage bei Eintracht Frankfurt. "Mein Lächeln ist nur aufgesetzt", gab der Sportvorstand der Schwaben Einblick in sein Seelenleben in den Katakomben des einstigen Waldstadions, in dem sie vor dem 0:1 viermal ungeschlagen geblieben waren. Um dann das Offensichtliche auszusprechen: "Wir laufen unseren Ansprüchen hinterher."
Europa? Für den Moment allenfalls Wunsch, keine Wirklichkeit
Diese formulierte der Klub aus Bad Cannstatt vor gerade mal zehn Tagen sehr konkret, als unter dem Jubel der Mitglieder die Vertragsverlängerung mit Cheftrainer Sebastian Hoeneß bekanntgegeben worden war. Dauerhaft soll es der europäische Wettbewerb sein. Nur: Das ist für den Moment mit Tabellenplatz elf allenfalls Wunsch, aber sicher keine Wirklichkeit.
Die Realität sieht so aus: Der VfB Stuttgart ist Rückrunden-16., seit sechs Partien ohne Sieg und vermeintliche Leistungsträger und deutsche Nationalspieler wie Chris Führich oder Deniz Undav sind außer Form. Was die Verantwortlichen Woche für Woche auf einen schmalen Grat führt: Einerseits klar zu formulieren, dass gerade von solchen Profis mehr verlangt wird, weil sie nach teuren Festtransfers respektive Vertragsverlängerungen auch in entsprechende Gehaltsdimensionen vorgedrungen sind.
Woltemades Jokerrolle sorgte für Fragen, war aber nachvollziehbar
Andererseits öffentliche Kritik zu vermeiden, um keine Prangerwirkung zu erzeugen, weil sich das eher nicht leistungsfördernd auswirken dürfte. In Frankfurt sagte Wohlgemuth auf die Frage, was es bedeute, dass Undav erneut nicht in der Startelf stand: "Es spricht dafür, dass er sich im Training für die erste Elf nicht angeboten hat." Auf eine entsprechende Nachfrage beteuerte der 45-Jährige, dass seine Aussage keinen größeren Deutungsspielraum biete: "Der Trainer hat taktische Erwägungen vor so einem Spiel und versucht die Elf auf den Platz zu stellen, mit der die Wahrscheinlichkeit am höchsten ist, zu gewinnen. Da muss man gar nichts reininterpretieren. Ich finde, das ist eine ganz normale Aussage, dass er nicht in der ersten Elf gestanden hat, weil der Trainer ihn nicht dort gesehen hat."
Genauso wenig wie Nick Woltemade. Die Jokerrolle für den 23-Jährigen hinterließ bei dem einen oder anderen Stirnrunzeln, weil der Angreifer anders als die Positionskonkurrenz in Topform ist. Rein sportlich aber war sie nachvollziehbar, denn Woltemade musste in der deutschen U21 zweimal über nahezu die volle Distanz ran und kam müde zurück vom Länderspieltrip.
Hoeneß: "Ab Montag den Schalter umlegen für Mittwoch"
Und vielleicht hatte Hoeneß bereits im Hinterkopf, dass der Weg nach Europa über den DFB-Pokal nunmal - generell, aber in der Stuttgarter Aktualität ganz besonders - der wesentlich kürzere ist. Am Mittwoch kommt RB Leipzig zum Halbfinale (20.45 Uhr, LIVE! bei kicker.de).
Der VfB-Coach signalisierte am Samstagabend, dass er es leid ist, die Kernpunkte für die zuletzt ausbleibenden Ergebnisse in der Liga zu erläutern: "Wenn ich jetzt hier die Erklärungen ausführe, werden die schnell zu Alibis gemacht. Die brauchen wir nicht. Für mich geht es jetzt darum, dass wir ab Montag den Schalter umlegen für den Mittwoch." Klappt es mit dem Finaleinzug, würde das die Aufbruchstimmung aus seiner Verlängerung schlagartig zurückkehren lassen.